Organisationsentwicklung © Fotolia/alphaspirit

Welche Faktoren machen Organisationsentwicklung erfolgreich?

Ein Unternehmen, in dem die Angestellten ihren Chef wählen? In dem alle Mitarbeiter gemeinsam über Gehaltserhöhungen, Kündigungen und Veränderungen entscheiden? Diese Vorstellung einer durchweg demokratischen Organisation scheint reine Utopie zu sein. Und doch ist sie Realität. Zum Beispiel in der Schweiz. Hier zeigt ein großes IT-Unternehmen mit seiner rein demokratischen Struktur nicht nur, wie die Zukunft der Ökonomie aussehen kann, sondern präsentiert sich auch als herausragendes Beispiel für eine erfolgreiche Organisationsentwicklung.

Zeiten ändern sich und damit auch die Anforderungen an die Menschen. Während früher die körperliche Arbeit den Großteil aller Beschäftigungen ausmachte, hat heute die geistige Arbeit den Vorrang. Das tayloristische Industriezeitalter mit seinen stark vereinfachten und hoch standardisierten Prozessen musste Platz machen für die Netzwerkökonomie der Gegenwart. Vor allem das Internet hat einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass die Menschen und Unternehmen der Welt sich mehr und mehr vernetzen können. Globales Agieren ist Standard – und erhöht Konkurrenz und Wettbewerbsdruck. Für Organisationen, ihre Führungskräfte und ihre Angestellten bedeutet das neben erhöhten Anforderungen auch die Notwendigkeit einer Organisationsentwicklung.

Erfolgsfaktor Mensch

Kennzeichnend für die Netzwerkökonomie sind Komplexität und Dynamik. Wer auf statische Konditionierung seiner Mitarbeiter und Angestellten setzt, sorgt am Ende selbst dafür, dass seine Organisation sich abschafft. Um dem zu entgehen braucht es eine professionelle Organisationsentwicklung. Die grundlegende Annahme bei dieser ist, dass jeder Organisation ein sozialer Organismus zu Grunde liegt. Und den gilt es als ersten Schritt zu erfassen.

Denn nicht nur ein Unternehmen selbst, sondern auch die Mitarbeiter sind hochkomplex. Sie haben alle ein individuelles Bewusstsein, individuelle Fähigkeiten und verfügen über individuelles Wissen. Während die klassischen Organisationsstrukturen von früher auf strenge Hierarchien setzen, leben erfolgreiche Unternehmen heute von der Einstellung, dass nicht nur einer für alle denken soll.

Wissenschaftliche Untersuchungen der Organisationsforscherin Isabell Welpe von der Technischen Universität München belegen sogar: Demokratische Unternehmen sind erfolgreicher, vor allem, wenn es darum geht, Wissen auf mehrere Köpfe zu verteilen. So setzt die Organisationsentwicklung einen Schwerpunkt darauf, zu erkennen, was ein Mitarbeiter braucht, um gut arbeiten zu können und wie eine Organisation es schafft, die Energie aller optimal zu nutzen. Denn der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von der Summe der Fähigkeiten aller ab. Und: Jedes Unternehmen hat seine eigene DNA.

Verabschieden Sie sich von Standards

Bevor ein guter Organisationsentwickler mit der konkreten Arbeit in einem Unternehmen beginnt, muss er sich bis ins kleinste Detail mit diesem beschäftigen. Menschen sind keine Maschinen und unterliegen Schwankungen. Sie alle mit den gleichen Aufgaben zu betrauen, ergibt in den meisten Fällen keinen Sinn. Erfolgreiche Wertschöpfung entsteht erst durch das organisationale Zusammenspiel aller.

Eine gelungene Organisationsentwicklung beginnt deswegen an der Basis – mit der fundierten Bestandsaufnahme des Unternehmens und der Frage: Wo steht das Unternehmen heute und was muss sich ändern? Neues Zusammenwirken, neue Perspektiven und neues Organisationsbewusstsein entstehen dabei nicht über Nacht, sondern entwickeln sich in einem stetigen Prozess. Um eine erfolgreiche Organisationsentwicklung zu beginnen, müssen deswegen alle an einem Unternehmen Beteiligten auf der gleichen Seite stehen.

Die DNA des Unternehmens als Schlüsselfaktor

Einer denkt und alle anderen führen aus – was jahrelang als Erfolgsgarant galt, ist heute mehr als überholt. Um ein Unternehmen so aufzustellen, dass es in die heutige Zeit passt, setzt Organisationsentwicklung darauf, Mitarbeiter besser und enger in Unternehmensphilosophie und -vorgänge zu integrieren, sind sie es doch letztendlich, die den Wandel erlebbar machen. Ein Unternehmen kann sich nur dann erfolgreich entwickeln, wenn die Mitarbeiter nicht nur im, sondern vor allem am Unternehmen arbeiten.

Alte Strukturen aufzubrechen und neue Wege sowie Denkansätze zu finden, hilft dabei, dass eine Organisation sich nach außen und nach innen neu aufstellen kann. Neue Schwerpunkte des Miteinander geben den Mitarbeitern genau den Freiraum, den sie brauchen, um sich zu inspirieren und ihre Fähigkeiten voll zu entfalten. Vor allem innovative Ideen sind gefragt, um die Kultur eines Unternehmens zu wandeln. Dass es klappt, haben andere schon bewiesen – Stichwort demokratisches Unternehmen.

Übergeordnetes Ziel der Organisationsentwicklung ist es, nachhaltige Erneuerungsprozesse zu initiieren. Nach der Bestandsaufnahme ist es deswegen wichtig, dass der Organisationsentwickler allen Mitarbeitern eines Unternehmens den Spiegel vorhält und ihnen zeigt, woran es bisher haperte. Seine Aufgabe ist es, von außen Impulse zu setzen und Führungskräfte sowie Mitarbeiter mit den relevanten Themeninhalten vertraut zu machen. Nur wenn alle wissen, wohin die Reise gehen soll, kann sich Erfolg einstellen. Sind alle überzeugt, geht es um die nächsten Schritte der Organisationsentwicklung: Beratung, Training und Coaching.

Auf die Expertise anderer vertrauen

Eine erfolgreiche Organisationsentwicklung lebt von ihrer systemischen Grundhaltung. Das bedeutet, jede erfolgsführende Arbeitsweise ist akzeptiert und es gibt keine festen Standards. Auch hier liegt die Basis in der Kommunikation. Sind alle Mitarbeiter und Führungskräfte in die Veränderungsprozesse eingeweiht, ist es sicher, dass sie in die gleiche Richtung arbeiten. Ein professioneller Organisationsentwickler begleitet das Unternehmen dabei und steht ihm mit maßgeschneiderten Maßnahmenkonzeptionen und bei der Umsetzung des Organisationsentwicklungsprojektes zur Seite. Neben der Entwicklung von neuen Strukturen, unterstützt er das gesamte Team mit abgestimmten Trainings und Coachings, um es für die neuen Anforderungen zu schulen. Nur so können alle Beteiligten ihr volles Potential entfalten.

Organisationsentwicklung ist ein dynamischer Prozess. Wer also von jetzt auf gleich eine Totalumkehrung seines Unternehmens erwartet, kann nicht mit Erfolg rechnen. Vielmehr ist es ein langsames Wachstum in die richtige Richtung, an der alle Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen beteiligt sind. Entwicklung startet im Kopf, Erfolg zeigt sich in der Wahrnehmung. Denn ob eine Organisationsentwicklung erfolgreich ist, lässt sich in den meisten Fällen an den Mitarbeitern feststellen, das heißt im kollektiven Bewusstsein einer Organisation.

Ist ein Unternehmen mit seinem Organisationsentwickler bis hierhin alle Schritte gegangen, bleibt noch die Phase der Reflektion und der Wiederauffrischung. Direkte Effekte der Organisationsentwicklung, wie z. B. die Steigerung der organisationalen Leistungsfähigkeit, zufriedenere Mitarbeiter und ein verstärktes Zugehörigkeitsgefühl von Mitarbeitern zum Unternehmen, stellen sich bei einer erfolgreichen Veränderung schnell ein. Um auch indirekte Effekte, wie z. B. konstant gesunde und motivierte Mitarbeiter und mehr Employer Branding, dauerhaft zu festigen, setzt eine gute Organisationsentwicklung auf stetige Wiederauffrischung der Maßnahmen. Regelmäßige Reflektion aller Führungskräfte und Angestellten ist der Hauptbestandteil, dass ein Unternehmen am Markt bestehen kann – und das auf Dauer.

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