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Organisationsentwicklung einfach erklärt – Grundlagen und Ziele

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“

Wie viel Wahres in diesem Chinesischen Sprichwort steckt, weiß jeder Mensch spätestens dann, wenn er eine wichtige Entscheidung treffen muss. Sei es im Privatleben, als Angestellter oder als Chef – Entwicklung ist überall gefragt. Denn gerade in der heutigen Zeit, die von Schnelllebigkeit gekennzeichnet ist, sind Veränderung und Organisationsentwicklung die Themen, mit denen sich Unternehmen zwangsläufig beschäftigen müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Neue Zeiten brauchen neue Wege

Ein Blick zurück in die Vergangenheit. Es ist das Jahr 1017. Frühmittelalter, früher Morgen. Der Bäcker eines Herrenhofes steht in seiner Backstube. Als Ein-Mann-Betrieb führt er ein selbständiges Gewerbe und backt genau so viel Brot, dass es für die Bewohner des wohlhabenden Hofes reicht. Eine Sorte, vielleicht zwei. Seine Arbeit ist effektiv und effizient, sie erfüllt die Bedürfnisse der Zeit.

Zeitsprung ins Jahr 2017. Tausend Jahre später. Der Bäcker einer Großstadt steht in seiner Backstube. Ist er Einzelkämpfer in einem Ein-Mann-Betrieb? Backt er eine Sorte Brot, zwei oder vielleicht zehn? Die Antwort liegt auf der Hand. Damit eine Backstube in der heutige Zeit bestehen kann, muss sie mehr als dem Faktor der reinen Bedürfniserfüllung genügen. Vielfalt und Ausgewogenheit der Produkte geht dabei Hand in Hand mit einer möglichst effizienten und effektiven Arbeit von genau so vielen Arbeitskräften, dass am Ende noch ein Gewinn bleibt. Organisationsentwicklung macht es möglich. Aber wie?

Was sich an diesem alltäglichen Beispiel deutlich zeigt, ist die Veränderung der Ökonomie und damit die erste Voraussetzung für Organisationsentwicklung. Einfach erklärt heißt das, dass die Veränderungen der Umwelt auch eine Veränderung und Entwicklung von Firmen und Betrieben erfordert. Dabei steht der Bäcker nur stellvertretend für alle Unternehmen unserer Zeit. Heute leben die Menschen unter veränderten Bedingungen. Mit dem Internet hat die Menschheit eine Welt geschaffen, die mehr und mehr vernetzt ist. Vergleiche mit Unternehmen auf der ganzen Welt sind plötzlich nicht mehr utopisch, sondern Alltag. Neue Konkurrenzen ergeben sich und neue Wettbewerber hängen diejenigen ab, die sich nicht verändern. Zeit, endlich etwas zu tun.

Organisationsentwicklung einfach erklärt

Wer sein Unternehmen nachhaltig und erfolgreich entwickeln will, setzt im Idealfall auf eine professionelle Organisationsentwicklung und die Betreuung durch einen qualifizierten Organisationsentwickler. Dieser führt das Unternehmen dann mit wenigen, aber effektiven Maßnahmen zum Ziel – in nur fünf Schritten.

1. Die fundierte Bestandsaufnahme

Alles beginnt mit der Bewertung des Ist-Zustandes eines Unternehmens. Während Arbeit früher überwiegend körperlich war, ist es heute die geistige Aktivität, die das Arbeitsleben beherrscht. Vorbei ist das tayloristische Industriezeitalter, das, geprägt von detailliert gesteuerten, vereinfachten Arbeitsabläufen, auf Einwegkommunikation setzte. Die heutige Netzwerkökonomie arbeitet mit dynamischen und komplexen Prozessen, um den Erfolg von Unternehmen zu steigern. Diese Veränderung fordert ein anderes organisationales Milieu und bildet die Grundlage für Organisationsentwicklung.

Einfach erklärt bedeutet das, wer in der heutigen volatilen Zeit Erfolg haben will, muss organisationale Rahmenbedingungen schaffen, die die Potentiale der Mitarbeiter erkennt, fördert und optimal in den Wertschöpfungsprozess integriert, um damit das Unternehmen voranzutreiben.

Organisationsentwicklung heißt also nichts anderes, als den organisationalen Entwicklungsprozess bewusst und durch gezielt eingesetzte Maßnahmen zu steuern und zu forcieren. Veränderung ist dabei keine statische Momentaufnahme, sondern vielmehr ein dynamischer Prozess, der das Unternehmen langsam, aber stetig an die Anforderungen des Marktes und an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anpasst. Und dafür braucht es die Zusammenarbeit aller Beteiligten der Organisation!

Um alle in den Prozess der Veränderung zu involvieren, setzt ein Unternehmen am Besten auf einen professionellen Organisationsentwickler. Im Rahmen eines detaillierten Auftragsklärungsgeprächs bespricht dieser im Vorfeld seines Arbeitsauftrags die jeweiligen Entwicklungsthemen mit den Verantwortlichen, die er unterstützen wird. Hier bildet er unter anderem Arbeitshypothesen zu möglichen Verflechtungen des Organisationssystem, die in Form von unterschiedlichen gelebten Handlungsmustern zum Ausdruck kommen. Nur so kann er individuell auf die jeweiligen Entwicklungsbedürfnisse eingehen. Die Bestandsaufnahme ist hierbei der erste Schritt in Sachen Organisationsentwicklung einfach erklärt.

2. Impulse setzen

Stichwort Individualität. Die wertvollste Ressource, die ein Unternehmen heutzutage hat, sind seine Mitarbeiter. Die Menschen, die jeden Tag alles geben sollen, um den Erfolg des Unternehmens zu sichern. Doch wie schafft man es, sie dauerhaft zu Höchstleistungen zu motivieren? Auf anspornende Impulse eines Außenstehenden zu setzen, ohne dabei die jeweiligen Rahmenbedingungen zu verändern, ist kaum möglich – sofern das Ziel eine hohe intrinsische Motivation der Mitarbeiter darstellt. Auch an dieser Stelle findet sich ein wichtiger Bestandteil der Organisationsentwicklung. Ihre Grundannahme ist, dass jedes Unternehmen auf einem sozialen Organismus beruht. Und den gilt es zu verstehen, bevor die Veränderung überhaupt starten kann. Die entscheidende Frage lautet hier: „Was brauchen meine Mitarbeiter, um wirklich gut arbeiten zu können?“

Ein Organisationsentwickler wirkt hier wie ein Katalysator, der das Team und die Organisation von außen zur Selbstreflektion anregt. Er bringt Kognitions- und Bewusstseinsprozesse in den Gang, erkennt organisationale Muster und löst diese gegebenenfalls auf. So lassen sich neue, wertvolle Impulse, Sichtweisen und Vorgehensweisen aus dem Team und der Organisation extrahieren, konzeptionieren und entwickeln, um eine Antwort darauf zu finden, wie man zukünftig erfolgreich zusammenarbeiten möchte. Das macht Führungskräfte und Mitarbeiter gleichsam zu Mitgestaltern von akzeptierter Veränderung – Schritt zwei der Organisationsentwicklung einfach erklärt.

3. Der Weg zum Ziel: Maßnahmen definieren

Haben Mitarbeiter und Führungskräfte verstanden, was es braucht, um das Unternehmen nachhaltig weiterzuentwickeln, geht es in einem dritten Schritt um die Maßnahmen, die nötig sind, um gesetzte Ziele auch erreichen zu können. Ein professioneller Organisationsentwickler arbeitet hierbei systemisch. Er betrachtet eine Organisation als ein nichtlineares, in sich geschlossenes komplexes System, das seinen eigenen individuellen Charakter besitzt. Dieser ergibt sich aus der Summe der Potentiale und Fähigkeiten aller am Unternehmen Beteiligten.

Aus makroskopischer Sicht gilt es, dieses Summenspiel zu aktivieren und in ein neues Bewusstsein des organisationalen Miteinanders zu führen, um ungenutzte organisationale Ressourcen nutzbar zu machen. Aus mikroskopischer Sicht geht es darum, den einzelnen Mitarbeiter und jeweiligen Menschen zu aktivieren. Der Organisationsentwickler muss seine Potentiale erkennen und fördern. Nur so lassen sich die Mitarbeiter zu mehr organisationaler Beziehungskompetenz führen.

Die Herausforderung: Kein Mensch gleicht dem anderem. Jeder bringt individuelle Fähigkeiten und Möglichkeiten mit. Doch das stellt gleichermaßen auch eine Chance dar, die jedes Unternehmen einzigartig macht. Ziel des Organisationsentwicklers ist es deswegen, den Führungskräften und Mitarbeitern diesen entscheidenden Vorteil bewusst und durch entsprechende Maßnahmen greifbarer für den organisationalen Wertschöpfungsprozess zu machen. Damit sind grundlegenden Weichen für den Erfolg gestellt – Schritt drei in Sachen Organisationsentwicklung einfach erklärt.

4. Maßgeschneiderte Lösungen finden

Wer Standards bemüht, kommt in Sachen Organisationsentwicklung nicht weit. Gute Organisationsentwicklung bedeutet, alle Ebenen zu integrieren und zu entwickeln. In diesem Zusammenhang kann es bei der Begleitung eines organisationalen Entwicklungsprozesses unter Umständen vereinzelt sinnvoll sein, ein individuelles Coaching von Mitarbeitern und Führungskräften parallel anzusetzen, um damit Synergieeffekte auf dem gemeinsamen Weg der Veränderung zu nutzen. Auf der Basis von maßgeschneiderten Maßnahmenkonzeptionen und der Umsetzung eines begleitenden nachhaltigen Organisationsentwicklungsprojektes ist die Organisationsentwicklung deswegen darauf ausgelegt, ein Unternehmen von Anfang bis Ende zu unterstützen und ihm beratend zur Seite zu stehen.

5. Aufrechterhaltung und Initiierung der Kommunikation im Organisationskollektiv

Wer in Organisationen Veränderung initiiert und dabei erfolgreich sein möchte, sollte einen Aspekt nicht außer Acht lassen – die Anregung und Aufrechterhaltung der Kommunikation im Organisationskollektiv während des Entwicklungsprozesses. Die Macht von Gerüchten oder dem sprichwörtlichen Flurfunk in Organisationen ist groß. Innerhalb organisationaler Transformationsprozesse ist es darum wichtig, auf eine starke kollektive Kommunikation – verbal und nonverbal gleichermaßen – zu setzen und diesen Effekt durch geeignete Maßnahmen anzuregen.

Wissenschaftlicher Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass das entscheidende Element in einem sozialen Organismus allein die Kommunikation ist. Kollektive Aufmerksamkeit hinsichtlich eines Organisationsentwicklungsprozesses zu erlangen, ist ein wichtiger Schlüsselfaktor für den Erfolg von organisationalen Transformationen und geht einher mit der subjektiven Bewertung und Einschätzung des Individuums. Eine akzeptierte Methode mit hohem Attraktivitätsfaktor, ist die Form des Graphic Recording oder Visual Facilitation.

Diese arbeitet mit der Sprache von Bildern und lädt die jeweiligen Betrachter zum persönlichen Dialog ein. So wie ein Kunstinteressierter in einem Museum ein Gemälde betrachtet, kann der Mitarbeiter die in Bildersprache festgehaltenen Entwicklungsschritte der Organisation auf einer Leinwand anschauen und mit sich und den festgehaltenen Inhalten in einen inneren Dialog gehen. Das regt nützliche Bewusstseinsprozesse bei den Betrachtern an. Je höher die Beteiligung an dieser Stelle, desto mehr lässt sich die organisationale Entwicklung vorantreiben. Das etabliert ein neues kollektives Bewusstsein, was das ureigenste Ziel der Organisationsentwicklung ist.

6. Reflektion und Refreshment

Zuletzt steht die Phase der Reflektion und Wiederauffrischung. Eine Veränderung reicht? Wohl kaum, ist sie doch ein dynamischer Prozess, der auf dauerhafte Anpassungen setzt und nicht von jetzt auf gleich als Totalumkehrung zu realisieren ist. Mit Workshops und Refreshprogrammen hilft der Organisationsentwickler dem Unternehmen, stetig an sich zu arbeiten und individuell auf die jeweiligen Anforderungen der Zeit zu reagieren.

Organisationsentwicklung einfach erklärt, bedeutet also mit diesen sechs Schritten zu arbeiten: Bestandsaufnahme, Impulse setzen, Maßnahmen finden, Maßnahmen umsetzen, Kommunikation initiieren und Veränderungen reflektieren. So einfach kann sich ein Unternehmen erfolgreich an die ökonomischen Bedingungen anpassen – die richtige Organisationsentwicklung vorausgesetzt.

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