Projekte planen © Von Oxford Media Library /shutterstock.com

Projekte planen in der Automobilindustrie – 5 Wege zum Erfolg

Projektarbeit ist in der Automobilindustrie an der Tagesordnung. Allerdings haben sich die Anforderungen an diese Tätigkeit in den vergangenen fünf Jahren massiv geändert. Die Krise der Industrie verlangte, dass über Jahrzehnte genutzte Konzepte aufgegeben werden mussten. Viele Verantwortliche wissen allerdings noch immer nicht, wie sie stattdessen erfolgreich ihre Projekte planen sollen. In diesem Artikel lernen Sie daher fünf Herangehensweisen kennen, die sich in der Industrie bewährt haben.

Sichern Sie sich das kostenlose
Projektmanagement-Handbuch!

Erfolgreich in der Automobilindustrie Projekte planen: Die fünf Wege in der Übersicht

  1. Analysieren Sie das Scheitern vorheriger Projekte
  2. Vertrauen Sie auf agile Methoden
  3. Passen Sie APQP an Ihr Vorhaben an
  4. Schaffen Sie Transparenz – auch nach außen
  5. Visualisieren Sie Ihre Erwartungen – beispielsweise mit dem Gantt-Chart

Eine kurze Vorbemerkung

Wenn Sie die Auflistung der obigen Punkte lesen, kommen Ihnen die Wege vermutlich vor allem wie eine Idee für eine Struktur vor, wie Sie erfolgreich Projekte planen. Die einzelnen Punkte hängen miteinander zusammen – beispielsweise APQP und die Forderung nach agilen Methoden. Dies ist gewollt: Erfolgreiche Projekte hängen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die produktiv zusammenwirken müssen. Es macht deshalb keinen Sinn, Ihnen isolierte Wege aufzuzeigen, wie Sie in der Automobilindustrie erfolgreich Projekte planen können. Stattdessen sind das Zusammenspiel und die hoffentlich entstehenden Synergieeffekte von entscheidender Bedeutung.

1. Analysieren Sie das Scheitern vorheriger Projekte

Die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) machte bereits vor Jahren im Rahmen einer Studie auf einen Trend aufmerksam, an dem sich bis heute nichts geändert hat: Nur die wenigsten Projekte kommen wie geplant ins Ziel – laut der Studie von 2016 sind es lediglich 30 Prozent, die sich an die Zeit- und Budgetvorgaben halten können.

Auf dem “Car Symposium” in Bochum machte der Experte Ralf Vieren im Zusammenhang mit der Studie auf einen interessanten Umstand aufmerksam: Die Gründe für das Scheitern der Projekte entsprechen sich häufig. Dies spricht dafür, dass nach einem geplatzten Vorhaben nicht ausreichend analysiert wird, was schiefgelaufen ist. Folgende “Fehlleistungen” nennt der Experte, der auf Qualitätssicherung in der Automobilindustrie spezialisiert ist, als häufigsten Grund für das Scheitern:

  • Zu kurze Time-to-Market-Zeiten
  • Zu hohe Qualitätsanforderungen
  • Zu geringe Budgets
  • Erhöhte Komplexität durch die Globalisierung in der Lieferkette
  • Signifikant steigende Zahl von Design – oder sonstigen Entwurfsänderungen in der Projektphase
  • Mit den rasanten technischen Entwicklungen (insbesondere im Bereich der Vernetzung) wird nicht schrittgehalten

Das Problem ist, dass sich diese “Fehlleistungen” in neuen Projekten reproduzieren, wenn keine zufriedenstellende Ursachenforschung betrieben wird. Vereinfacht gesagt: Wenn Sie Projekte planen, müssen Sie zuerst sicherstellen, dass Sie nicht die Sünden von einst wiederholen.

2. Vertrauen Sie auf agile Methoden

Das Projektmanagement in der Automobilindustrie vertraute lange auf starre Methoden. Seit einigen Jahren hat sich diesbezüglich aber ein Wandel vollzogen. Agile Methoden, dabei insbesondere Scrum, werden immer häufiger in der Industrie genutzt. Insbesondere in Vorhaben mit einer kreativen Zielsetzung haben sich die agilen Methoden bewährt. Wenn Sie Projekte planen, dann sollten Sie von Anfang auf einen entsprechenden Ansatz zurückgreifen.

3. Passen Sie APQP an Ihr Vorhaben an

Das Abkürzungsungeheuer APQP steht für “Advanced Product Quality Planning” bzw. für die im deutschen nicht weniger monströse Übersetzung “Produkt-Qualitätsvorausplanung und Steuerungsplan”. Das Ganze fußt auf dem Standardnorm- und Regelwerk IATF16949 und dient der Qualitätsvorausplanung. Jeder, der sich bereits mit APQP befasst hat, wird bestätigen können, dass es ein sehr komplexes Gebilde ist, mit dem standardisiert in der Automobilindustrie gearbeitet wird.

Auf dem Papier verlangt APQP nach einigen starren Methoden, namentlich FMEA, QFD oder auch QM. Wenn Sie Projekte planen, können Sie APQP nicht ignorieren. Stattdessen wird das Regelwerk befolgt und mit einer Projektmethode kombiniert. Allerdings gibt es den Hang dazu, APQP wortgetreu und vollständig zu befolgen. Interessanterweise ist dies aber gar nicht notwendig.

Die AIAG (Automotive Industry Action Group) hat eine bemerkenswerte Auflistung erstellt, die zeigt, wie APQP im Laufe der Zeit “mutiert” ist und durch immer neue Bausteine ergänzt wurde. Es handelt sich um kein starr zu befolgendes Regelwerk, tatsächlich können Sie die 16 Punkte von APQP relativ frei an Ihre Methode anpassen. Dies sollten Sie auch unbedingt tun. Als Empfehlung: Nutzen Sie den von Edget/Cooper entwickelten Stage-Gate-Prozess. Dieser kombiniert APQP mit einigen Elementen von Scrum.

4. Schaffen Sie Transparenz – auch nach außen

Dieser Tipp bzw. Weg ist vor allem für Personen gedacht, die zum ersten Mal in der Automobilindustrie Projekte planen. Es ist Standard, dass allen Projektbeteiligten sowohl intern wie auch extern in jeder Phase voller Zugriff auf Projektdetails gewährt wird. Alle Stakeholder sollen sich stets schnell und einfach einen kompletten Überblick verschaffen können. Achten Sie darauf, dass dies sichergestellt ist.

5. Visualisieren Sie Ihre Erwartungen – beispielsweise mit dem Gantt-Chart

Dieser Punkt hängt eng mit dem vorherigen zusammen. Die Visualisierung von Projektfortschritten ist Standard. Interessanterweise werden allerdings Erwartungen selten auf entsprechende Weise dargestellt. Dabei würde dies beispielsweise auch deutlich die Arbeit erleichtern, wenn Sie Projekte planen. Durch die Visualisierung bemerken Sie häufig schon Fehler in der Planung und können diese direkt ausmerzen. Zudem hilft eine Visualisierung allen Beteiligten dabei, einen schnellen Überblick zu bekommen.

Ein besonders gelungenes Werkzeug, um Erwartungen zu visualisieren, ist der Gantt-Chart. Dieser zeigt zeitliche Abfolgen in Balkenform untereinander. Wenn Sie Projekte planen und auf dem Diagramm sehen, dass viele Balken direkt untereinander sind, wissen Sie beispielsweise, dass es an dieser Stelle vermutlich Probleme gibt, weil zu viel gleichzeitig erledigt werden muss. Ein Gantt-Chart lässt sich zudem leicht um eine Tabelle ergänzen, in der die zugehörigen Ressourcen eingetragen werden. Dies hilft ebenfalls dabei, Planungsfehler frühzeitig zu identifizieren und einen schnellen Überblick zu bekommen.

Ein abschließender Tipp

Die Automobilindustrie arbeitet seit Jahrzehnten mit bestimmten Basics und ist nicht besonders schnell darin, Dinge zu ändern. Revolutionen im Projektmanagement sind ihr fremd. Sie ist zudem eng untereinander vernetzt. Es wird deshalb von externen Partnern erwartet, dass die üblichen Grundlagen umgesetzt werden. Tragen Sie diesem Umstand Rechenschaft, wenn Sie Projekte planen. Lernen Sie die Basics und passen Sie diese zweckmäßig an.

Fotoquelle Titelbild: © Oxford Media Library/shutterstock.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.